Ja, genau das habe ich heute zwei Stunden lang gerufen!
Ich war festgesessen. Hatte mich total verstiegen.
Wo? In unserem großen Apfelbaum!!!
Mir war klar, dass die Äpfel nun langsam abgeerntet werden müssen. Was runterfällt ist bereits schon angefault.
Also holte ich mir die große Klappleiter und stellte sie unter den Baum. Nahm einen Eimer mit nach oben und fing an die Äpfen zu pflücken.
Den ersten Eimer brachte ich ja noch sicher nach unten.
Aber beim zweiten Eimer nahm das Drama seinen Lauf.
Ich stieg mit dem leeren Eimer wieder hoch. Nur reichte nun die Leiter nicht mehr, um bis ganz nach oben an die Äpfel zu kommen. Also mußte ich in den Baum klettern. War ja auch kein großes
Problem, nur hätte ich vielleicht Turnschuhe anstelle meiner offenen Latschen anziehen sollen.
Es war schon eine sehr wackelige Angelegenheit .... und schwindelfrei bin ich ja auch nicht.
Aber ich habe ganz tapfer versucht, nicht nach unten zu sehen.
Wunderschöne Äpfel - allerdings nicht in reichweite. Ich legte mich auf einen stabilen Ast, robbte mich nach draußen .... war gerade am Äpfelplücken, als der Ast sonderbare Geräusche von sich
gab.
Oh je, der Ast kracht ab. Ich so schnell ich konnte, wieder rückwärts gerobbt, was ein sehr schwieriges Unterfangen war, da ja der Eimer bereits voll und schwer war.
Doch ich hab es gerade noch geschafft. Mal sehen, ob ich von hier oben aus, die Leiter besteigen kann.
Dann passierte es: Ich verlor erst einen Latschen und als ich diesen mit dem Fuß noch auffangen wollte, stieß ich an die Spitze der Leiter und diese fiel im Zeitlupentempo um.
Nun saß ich fest. Nach unten hin waren keine stabilen Äste mehr, auf die ich mich hätte stellen können. Also war ein Hinabklettern nicht möglich. Und aus einer Höhe von geschätzten 2,50 m wollte
ich nicht abspringen. Da hätte ich mir sicherlich sämtliche Knochen gebrochen - zumal auch noch die Leiter da unten lag.
Was tun? Ich wußte, dass mein Mann im Haus war - allerdings vorne im Hof in seiner Werkstatt. Ab und zu kommt er dann auch in die Wohnung und dort müsste er mich ja hören.
Hilfeeeee! ..... Hilfeeee!
Nix! Nach einer Weile rief ich nochmals. Nix!
Dann auf einmal hörte ich ihn husten (oh, isser erkältet der Gute???) Ich rief wieder und wieder! NIX!
Also jeden Tag treibt sich die gesamte Nachbarschaft in ihren Gärten rum, nur wenn man mal einen oder eine davon braucht, ist keiner da! Die Nachbarin von rechts ist kürzlich verstorben, da sind
alle Läden unten. Die Nachbarin hinter uns, welche an die Stirnseite unseres Garten grenzt, scheint mit dem Hund unterwegs zu sein, denn wenn der mich gehört hätte, dann würde
er wie ein verrückter bellen.
Mein Sohn nebenan - die sind sowieso nie im Garten (wozu die einen Garten haben möchte ich mal wissen) und der direkte Nachbar daneben - der täglich seinen Garten hegt und pflegt scheint
auch ausgeflogen zu sein.
Ich rief wieder - nix.
Geschlagene zwei Stunden hing ich nun in dem Apfelbaum fest. Jeglicher Versuch nach unten zu klettern scheiterte, als die dünnen Äste nachgaben. Ich habs auf allen Seiten des Baumes probiert
- keine Chance.
Und das tollste daran war, dass meine vier Katzen unten unter dem Baum saßen und (so wie es aussah) belustigt zu mir raufschauten.
Irgendwann hörte ich wieder meinen Mann husten (ersticken soll er!!!) *Scherz*.
Es war nun Essenszeit und er vermisste mich anscheinend überhaupt nicht! Um diese Zeit bin ich normalerweise mitten am Kochen!
Nach einer weiteren viertel Stunde ... ich hörte ihn telefonieren (mit wem telefoniert er eigentlich???) - verstehen konnte ich nichts - rief ich wieder und wieder.
Dann hörte ich, wie er auf die Terrasse kam. Ich schrie aus Leibeskräften .... er kam näher. Ich konnte ihn sehen!!
Er guckte zuerst in unser abbruchreifes Garten-Gerätehaus, dann ging er weiter in den Garten, schaute in mein Gewächshaus. Nun rief ich nochmals.
Ich:
Komm hier her, zum Apfelbaum! Ich bin hier!
Er: (Kam nun endlich her, schaute sich suchen um)
wo bist Du?
Ich:
Hier oben auf dem Apfelbaum!
Er: (schaute hoch)
was machst Du denn da oben?
Ich:
Ich pflücke Kirschen!!!
Er:
Kirschen? Auf dem Apfelbaum?? Verträgst die Höhenluft nicht?
Ich:
Was werde ich hier oben wohl machen?
Er:
Woher soll ich das wissen? Beobachtest vielleicht die Nachbarn? Oder zählst die Läuse?
Ich:
Spinnst Du?
Er:
Warum hast Du eigentlich so geschrieen?
Ich:
Sag nur, du hast mich gehört?
Er:
Klar, aber ich dachte, du hast wieder eine Spinne entdeckt!
Ich:
Und deshalb lässt Du mich zwei Stunden im Apfelbaum sitzen?
Er:
konnte ich doch nicht wissen. Übrigens, warum kommst Du eigentlich nicht runter?
Ich:
Weil ich nicht kann!
Er:
Warum nicht?
Ich:
Siehst Du die Leiter da unten?
Er:
Ja, seh ich - und Dein Schuh liegt auch hier.
Ich:
deshalb kann ich nicht runter.
Er:
Aha. Soll ich Dir die Leiter wieder hinstellen? (Wie kann man nur so doof fragen!!!) Er grinste dabei!
Endlich bequemte er sich, mir die Leiter wieder aufzustellen. ........ Doch was mußte ich sehen? So wie er sie hingestellt hat, konnte ich sie niemals erreichen. Und bis ich was sagen konnte,
war er wieder auf dem Weg zum Haus.
Ich rief wieder! Er kam sehr widerwillig zurück.
Er:
Was ist denn jetzt schon wieder los?
Ich:
Kannst Du vielleicht die Leiter so hinstellen, dass ich sie auch erreichen kann?
Er:
Ach, kommst so nicht dran? Bist zu kurz?
Ich:
Nein, da komm ich nicht dran! Wie denn?
Er stellte die Leiter nun etwas näher an den Baum und ich fing an langsam (ohne nach unten zu sehen) den nächsten Ast zu erklimmen, von dem aus ich die Leiter erreichen konnte. Er war schon
wieder im Haus verschwunden.
Endlich hatte ich die Leiter mit dem großen Zeh erreicht. Doch was mach ich mit dem vollen Eimer? Der hing immer noch oben am Ast..... ach den lass ich hängen, den soll er nachher holen. Doch
da ich wußte, dass er das nicht tun würde, robbte ich nochmals etwas vor und hängte den Eimer aus.
Ganz vorsichtig, mit dem schweren Eimer in der einen Hand erreichte ich dann die Leiter.
Ich stieg mit dem einen Fuß drauf ... dann mit dem anderen ... dann Ast loslassen und Leiter fassen ... Eimer hinterher ........ doch das was zuviel. Da der Boden ziemlich weich war (mein Gewicht
wäre ja noch gegangen, aber das Gewicht des vollen Eimers!!!) gab die Leiter auf der einen Seite nach und ich flog mitsamt Eimer und Leiter direkt in unseren Komposthaufen rein!!!
Auf der einen Seite war es vielleicht mein Glück, dass ich weich gefallen bin - aber auf der anderen Seite .... ich stank bestialisch! Die letzten zwei Wochen habe ich sämtliche faule Äpfel,
Küchenabfälle usw. auf diesen Komposthaufen geschmissen. Und nun mich selbst. Aber ich war unverletzt .... nur von oben bis unten mit Abfällen versaut.
Als ich in die Wohnung kam, ging ich absichtlich nicht durch die Küche sondern durch das Wohnzimmer rein (wo er gemütlich vor dem TV saß).
Er:
sag mal, wie siehst Du denn aus?
Ich:
wie soll ich aussehen? Wie jemand der vom Baum gefallen ist.
Er:
Igittt, du stinkst vielleicht!
Ich:
Klar - so riecht man, wenn man in den Komposthaufen fällt.
Er:
Ach ich denke du wolltest über die Leiter runter? Wieso bist abgesprungen? (Er konnte sich das Lachen kaum noch verkneifen! RACHEEEEEEE!)
Ich:
ICH BIN NICHT ABGESPRUNGEN!!! Ich bin MIT der Leiter in den Kompost gefallen!
Er:
Die ist zu blöd, sich auf einer Leiter zu halten!!!!!!!
grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
Dann ging ich Duschen und umziehen. Heute gabs nix zu Essen!!! Aus Rache! Hihihi, er hat dann Essen vom Dönerladen geholt!! (Schlechtes Gewissen gehabt????)
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